Festivalbericht Autumn Moon Tag 1 Freitag 13.10.2017

Veröffentlicht: 22. Oktober 2017 von steffischaaf in Konzertreviews, Veranstaltungen
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Mitte Oktober ein Festival zu planen, mit Mittelaltermarkt und Außenattraktionen birgt schon ein hohes Risiko für den Veranstalter, denn wettertechnisch könnte das Ganze mit Regen und Kälte dem Bache hinuntergehen. Doch auch in diesem Jahr meinten es die Wetterfrösche gut mit den Organisatoren und den Besuchern. Strahlender Sonnenschein und 20 Grad lockten die „schwarze Szene“ an die schöne Weser nach Hameln. Bereits nach 14 Uhr am Freitag, füllte sich der Markt, die ersten Attraktionen der Akrobaten wurden bestaunt und das ein oder andere Bierchen wanderte bereits über die Tresen der Gastronomen.


Das offizielle Programm startete 15.00 Uhr mit Inkubus Sukkubus in der Sumpfblume. Ein bravouröser Start der Briten, der bei den Gästen hohen Anklang fand. Zu späterer Stunde konnte man die Urgesteine auf dem Schiff noch mit ihrem Akustik-Set bestaunen.
SONY DSCDen Beginn in der Rattenfängerhalle machte am Freitag die Rammstein-Coverband Herzleid aus Bremen. Neugierig und gespannt auf diese Formation bannten sich Einige den Weg in die ersten Reihen. Natürlich hatte man die Bands Völkerball und Stahlzeit im Kopf, die ich bereits beide schon öfters sehen konnte und so blieben Vergleiche nicht aus. Stimmlich gab es soweit nicht viel auszusetzen, doch in Gestik und Mimik sowie in den Umsetzungen der Bühnenbilder muss die Band noch ein wenig wachsen. Dennoch zogen die Rammstein Songs und die bisherigen Besucher feierten ausgelassen zu früher Stunde.
Wer es etwas ruhiger und besinnlicher mochte, den zog es zu Christian von Aster zur Lesung ins bestuhlte Schiff.
Die Bühne für die Celtica Pipes Rock war in der Halle schon fast ein wenig zu groß. Nur zu viert war die Combo am Start, machte aber Krawall für Zehn. Mit Dudelsack, Drums und Violine gaben sie die feinsten schottischen Stücke zum Besten und versprühten Partylaune.

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Von Rock ging es über in die Sumpfblume zu feinstem Synthie Pop mit Beyound Obsession. Die Euphorie um dieses Duo stieg in den letzten Jahren regelrecht an und das machte sich auch an der vollen Sumpfblume bemerkbar. Nils schmetterte mit seinem voluminösen Organ den Zuschauern die Lieder nur so um die Ohren und diese tanzten und applaudierten lautstark nach jedem Stück. So lässt sich ein Festivalstart gut aushalten.

Schade nur um das Papa Hemingway, nachdem wir uns im letzten Jahr schon wie die Ölsardinen darin stapelten, sparten wir uns in diesem Jahr die Lokalität und leider auch Vlad in Tears oder die Bollock Brothers, die sicherlich einen Besuch wert gewesen wären. Doch welche Alternative bleibt? Vielleicht sollte man hier doch einmal überlegen die bestuhlten Sachen und Lesungen vom Schiff umzuquartieren.

SONY DSCMit Faderhead aus Hamburg hatten die Anwesenden ihren richtigen Spaß, es wurde gefeiert, getanzt, gejubelt. Samy fand immer wieder die Nähe zum Publikum, animierte hervorragend und versprühte gute Laune. Besonders bei „Destroy Improve Rebuild“ hatte er die grölende Menge völlig für sich gewinnen können.

Vergessen werden darf auf keinen Fall die Outdoorbühne. Das Marktvolk verwöhnten am Freitag Maccabe & Kanaka und Idorath mit ihren Klängen. Ebenfalls ein fester Bestandteil der Marktbühne sind Waldkauz geworden. In den letzten Jahren immer in den früheren Stunden anzutreffen, waren sie krönender Abschluss an einem wundervollen, familiären Festivaltag.

SONY DSCBereits im Mai 2016 besuchte Joachim Witt die Stadt Hameln in der Sumpfblume. Nun galt es für den Künstler die Rattenfängerhalle zu füllen. Ruhige, ergreifende und tiefsinnige Lieder wie „Das geht tief“ und „Winterwald“ standen auf seiner Liste. Mit kräftiger Stimme zauberte er sicherlich dem Ein oder Anderen eine Gänsehaut auf die Arme. Selbstverständlich durften Titel wie „Die Flut“ und „Der Goldene Reiter“ nicht in seinem Repertoire fehlen und das belohnte die Menge mit viel Applaus. Viele Stimmen sprachen im nachhinein über die merkwürdigen Ansagen und Gedankengänge Witts zwischen den Liedern und fanden er hätte lieber mehr singen sollen. Doch ich finde, es gehört zu ihm, er ist Künstler!!! mit Individualität und jeder Menge Lebenserfahrung. Jeder sollte sein Leben leben mit allen Merkwürdigkeiten, die man selbst so zu Tage führt.

05Was soll man zum Headliner 2017 sagen? Auf jeden Fall waren Front 242 eine bessere Wahl als Zombie Boy im letzten Jahr und die Herren rissen die Halle fast ab. Absolut energiegeladen und wie Flummibälle fegten die EBM Giganten über die Bühne. 2014 hatte ich sie bereits live gesehen auf dem DMF in München. Dort gefiel mir der Auftritt überhaupt nicht, oder ich konnte mich nicht wirklich darauf einlassen. Deswegen war ich umso begeisterter, dass ich mich dieses Mal mehr anfreunden konnte und definitiv gefallen an den Songs und dem Auftritt hatte. Ihre Power und Kraft scheinen Sie in den fast 40 Jahren nicht verloren zu haben. Hut ab!

Resume zum ersten Tag:

Und wieder scheint das Autumn Moon Festival ein voller Erfolg zu werden. Zwar schien die Besucheranzahl weniger zu sein als im letzten Jahr, aber dennoch zeigten sich die Halle und vor allem die Sumpfblume gut gefüllt. Der Sound und das Licht, sowie die gesamte Organisation war, wie auch in den letzten Jahren, professionell und ohne Probleme. Die Abwechslung im Line-Up traf bei uns absolut den Geschmack und ebenso waren wir froh, dass auch wieder kleine, noch relativ unbekannte Bands ihre Spielzeiten bekommen hatten. So schloss sich Tag 1 mit bleibenden Eindrücken und wunden Füßen.

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