Festivalbericht: 01.07.2017 Owls`N`Bats Im Zeichen des Arminius. (Wenn man ihn denn sah)

Veröffentlicht: 8. Juli 2017 von guidowein in Konzertreviews, Veranstaltungen
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Das Owls’n’Bats Festival öffnete am 01.07.2017 bereits zum vierten Mal seine Tore. Vier unglaublich beeindruckende Jahre Gothic Rock, Dark, Cold and New Wave, Electronica, Shoegaze sowie Post Punk mit ausgefallenen mystischen Klängen, eingerahmt in der schönsten Kulisse der Welt – der Natur des sagenumwobenen Teutoburger Waldes! Wir von Independent Sounds durften wieder ein Teil davon sein! Wir sahen zu, wie das einzigartige Owls’n’Bats vom kleinen unbekannten Festival zu einem der wichtigsten und relevantesten Musik-Magneten der Subkultur in der Region in Sachen alternativer und schwarzer Großveranstaltung wurde. Wie jedes Jahr pilgerten Fans der gediegenen, schwarzen Klänge erwartungsvoll zum einzigartigen  und unverwechselbaren Festivalgelände nach Detmold zur Waldbühne am Hermannsdenkmal, um gemeinschaftlich ihr Lieblingsmusikgenre zu feiern und liebe Freunde wiederzusehen. Eine Art jährliches Familientreffen, das Seinesgleichen sucht.

Unsere Vorfreude auf das Festival war wie jedes Jahr grenzenlos. Wir konnten das anstehende Wochenende kaum abwarten und freuten uns auf die ersten bassgetränkten Töne, die durch das Blättermeer in unsere Ohren drangen. Apropos getränkt – so sollte es für uns und die anreisende Dunkelschaar den ersten Dämpfer geben. Noch vor Tagen und Wochen war es trocken, heiß und man sprach schon von Dürre bedrohten Landstrichen, und genau heute erwischte uns ein kühler Wind mit „schnuckeligen“ 15 Grad Celsius und ein „erfrischender“ Dauerlandregen. Ein ungutes Gefühl machte sich bei uns breit. Hoffentlich wird es am heutigen Tage noch einigermaßen erträglich – sprich ohne den durchdringenden Niesel-Nebel-Regen. Doch wann sieht man schon  die sechs tollen Bands Gloom Sleeper, Date at Midnight, Architect, Sylvaine, Die Kammer und Esben at the Witch an solch einer Location an einem Tag? Also ab durch die Hecke dafür! Das dachten wohl auch die am Ende zahlreichen Besucher und so füllte sich das Festivalgelände nach und nach.

Der direkt angrenzende Schattenmarkt mit seiner Vielzahl an Ausstellern, Kunsthandwerkern sowie Getränke- und Futterständen, luden die Gäste zum verweilen bis zum ersten Act des Tages ein.(Schattenmarkt-Bericht erscheint gesondert)
gs6GLOOM SLEEPER eine junge und aufstrebende Post-Punk Band aus  Bielefeld, begrüßte  pünktlich um 15:30 Uhr das Live-Musik hungrige Schwarz-Volk. Jonas, Stefan, Hannes und Marc machten eine recht gute Figur auf der neuen großen Bühne. Fetter Sound und großartige, sich einprägende Stücke machten die Bielefelder zu einem ehrwürdigen Festival Opener, mit Stücken wie „The Black Side“, „Silent Cries“ und „Don’t look into my Eyes“. Das sahen auch die (noch) spärlichen Gäste und quittierten diesen Beginn mit tollen Applaus.

sy7Nach kurzweiliger Umbauphase ging es weiter mit der norwegisch-französischen Formation SYLVAINE. Die zierliche und hübsche blonde Norwegerin wird von drei großartigen Musikern auf all ihren Live-Gigs unterstützt. Der bekannteste von ihnen ist wohl der Gitarrist Franck, Denker, als auch Lenker, der französischen Band Saigon Blue Rain, die ja bekanntlich letztes Jahr zu Gast beim Owls’n’Bats Festival war. Mit verhaltenen und leisen Tönen startete der Gig. Der feine und zaghafte Gesang von Sängerin Kathrine hätten die nebelverhangene Stimmung dieses Tages nicht besser wiedergeben können. Bei Stücken wie „Earthbound“, „A Ghost Trapped in Limbo“, „Saudade“ und „Wistful“ folgte ein Gänshautschub dem nächsten. Überraschend auch der sogenannte „Shoutgesang“. Befremdlich, verschreckend und staunend über soviel freigesetzter Emotionen war der Auftritt von Sylvaine extrem berührend und  kurzweilig. Hier wurden  Resignation, Frustration aber auch Lebenswille greifbar. Dem Beifall der Festivalbesucher entnahm ich ähnliches Empfinden. Das bewiesen außerdem zahlreiche Gespräche nach dem Gig mit den Besuchern. Mit Sylvaine ist dem Veranstaltungstrio,Zuzie, Matthias & Werner somit ein echter Volltreffer gelungen. Für mich persönlich leider nur viel zu früh am Tag angesetzt.

19665112_929281733877985_6715483272486231835_nPünktlich um 17:30 Uhr standen DATE AT MIDNIGHT aus Rom auf der Gothic- Post-Punk „Speisekarte“. Die vier Italiener hatten im Mai 2016 ihr zweites Album ‚Songs To Fall And Forget‘ veröffentlicht. Der charismatische Sänger Daniele stand natürlich, optisch auffallend, im Mittelpunkt. Sein gestenreicher Ausdruck und die tiefe Stimme waren ein Hör- und Sehgenuss gleichermassen. Der Sound war beindruckend: Die Akkorde und fetten Riffs von Gitarrist Francesco waren großartig und das melodische Spiel auf dem Bass von Pasquale brachten fetten Druck und Power. Schlagwerker Francesco wirbelte auf seinem Drumkit und spielte kraftvolle und präzise Beats. Die neuen Songs, wie zum Beispiel ‚Cold Modern World‘, ‚Tonight‘ oder ‚Last Call‘ boten Date At Midnight brillant dar. Der Gothic-Geist wurde von den vier Römern auf den Brettern des Owls’n’Bats in königlicher Art und Weise zelebriert. Die berauschten Zuschauer genossen diese intensive Vorstellung.

So war es an der Zeit, das DJ Thomas Wave die Bühne enterte um die glücklichen Gewinner der Verlosung bekannt zu geben. Dieses Jahr gab es auch wieder viele Preise, dank der Unterstützung der teilnehmenden Bands, die sich für diese Aktion nicht lange bitten ließen. Somit eine sehr gelungene und erheiternde Abwechslung in der Umbaupause. Durch die sympathische Zwischen-Moderation von DJ Thomas Wave, der unter anderem zusammen mit Sally Shadowplay durch die Aftershowparty führte, begegneten sich Witz gepaart mit Charme und lockerte so das Programm zusätzlich auf. Ein tolle und gelungende Sache, wie ich fand.

19665576_929286967210795_1539910086447906548_nDer nächste Streich folgte sogleich mit Daniel Meyer alias ARCHITECT. Neben diversen Projekten wie HAUJOBB oder DESTROID stand der Wahl-Leipziger nun auf der Bühne des charmanten Owls’n’Bats Festivals. Der Eindruck erschien als sei Herr Meyer etwas verloren auf der großen Bühne. Hinter Laptop, DJ-Pult und einer fetten Trommel, nahm nun der besagte Künstler Position ein und begann mit einem feinen aber doch sehr ruhigen Intro. Die Gäste versammelten sich gespannt vor der Bühne. Es war eine anfänglichen Reserviertheit seitens der Besucher zu beobachten, doch von Track zu Track, die mal etwas flotter dann wieder zum Träumen einluden, kam mehr Bewegung in die Menge. Das ging von anfänglichem Fußwippen, bis hin zu tanzenden und feiernden Besuchern, die zu den teils chilligen und teils hämmernden Beats tanzten. Stücke aus dem aktuellen Album „Mine“ und ein Repertoire aus vergangenen Tagen wie z.b „Neon“ mit dem Gesang aus der Konserve von Emese Arvai-Illes (Black Nail Cabaret) brachte der Musiker eine eher entspannte Phase auf die Waldbühne. Ab und zu kam zum wummernden Sound auch spärlicher Gesang. Für mich und wie ich auch von einigen Gästen vernahm, ein etwas liberaler Gig zum verschnaufen und auftanken. Überzeugt hat mich dieser Auftritt nicht wirklich. Nach gut 60 Minuten war das Gastspiel dann auch emotionslos (bei mir) beendet.

dk8Die achtköpfige Band DIE KAMMER um Sänger Marcus Testory (ex-CHAMBER) und Gitarrist Matthias Ambré (ex-ASP) sollten uns an diesem Abend ein Mix aus melancholischen, morbiden, zirkusartigen und Acoustic Pop Klängen präsentieren. Mit im Gepäck hatten die Ausnahmekünstler ihr drittes Album aus dem Jahre 2016 mit den wundervollen Namen “Season III – Solace In Insanity” . Seit Anfang des Jahres befindet sich DIE KAMMER auf großer Deutschland-Tour unter dem Motto „Carnival of the Peculiar“. Nun war es an der Zeit auch auf der Waldbühne am Hermannsdenkmal in Detmold einen Stopp einzulegen. Das „Alternative Orchester“ wie die Band sich selber bezeichnet, brachte gute Laune mit Tuba und Folklore in den nebeligen Teutoburger Wald. Die Gäste waren darüber hocherfreut und tanzten, klatschten und sangen unter Anleitung des gut gelaunten Dirigenten Marcus Testory ordentlich mit. Mit Songs wie „Carnival of the peculiar“, „Sinister sister“ und „Praying mantis“ indem die „Gottesanbeterin“ gehuldigt wird, die unter anderem auch auf dem aktuellen Tourplakat zu sehen ist. „Da die Gottesanbeterin  für die Vielfältigkeit“ steht, so Marcus, ist dieser Song extrem passend für Die Kammer. So wurde dem Auditorium noch ein „Popsong“, so Marcus, mit den schönen Namen „Love for life“ kredenzt. Somit war das Programm dann auch perfekt abgerundet und gegen 22:00 Uhr beendeten die „Kammerspieler“ ihr durchaus erfrischendes, spaßiges, als auch emotionales Gastspiel im Schatten des Hermann.

etw3Esben and the Witch aus Großbritanien starteten ihren unglaublich ergreifenden Gig vor den mittlerweilen ca. 400 Gästen, mit dem ca. 13 Minuten Stück „Sylvan“ pünktlich um 22:30 Uhr und leiteten somit ein denkwürdiges Festival-Finale ein. Mit ihrem aktuellen Album “Older Terrors” im Gepäck brachten die drei großartigen Künstler die Waldbühne am Arminus Denkmal einmal mehr ihren Psychedelic -Folk -Rock an der richtigen Stelle zum Besten. Nebelschwaden und Lichteffekte, die den Besucher denken ließen sie wären in einer Fantasiewelt des Okkultismus woraus es kein Entrinnen gibt. Stücke wie „No Dogs“ oder „The Fall of Glorieta Mountain“ entfachen gelungene Spannungskurven zwischen ergreifenden Emotionen und heftigen Rock, der keinen der Anwesenden unberührt ließ. Nie zuvor habe ich so ein wahnsinnig intensives Konzert gesehen, dass verzerrte Gitarren, in Form einer hypnotischen Art und Weise, die Musik in soviel verschiedene Emotionsrichtungen leitet. Rachels sanfte und durchdringende Stimme (alla Björk) setzte diesem Spektakel noch die Krone auf. Die Zuschauer ließen ihren Gefühlen freien Lauf und quittierten diesen brillanten Headliner mit jeder Menge Applaus. Das extrem kurzweilige Konzert von Esben and the Witch fand nach gut 90 Minuten ein beeindruckendes Ende mit „Marching Song“. Dieser Auftritt von ESBEN AND THE WITCH war durchzogen von soviel Atmosphäre und Gänsehautmomenten das es wohl für jeden Festivalbesucher ein unvergessliches Stück Schwarzseelen-Elixier war.

Doch was wäre das alles ohne den hervorragenden und professionellen Einsatz der tollen Crew von Prisma Veranstaltungstechnik, die auch in diesem Jahr wieder für einen großartigen Sound und ein perfektes Bühnenlicht sorgten. Herzlichen Dank für euren unermüdlichen Einsatz. Ebenso ein dickes Lob an das supertolle und freundliche Team vom Event-Restaurant am Hermannsdenkmal. Ganz besonderer herzlichen Dank geht an Guido und Jens, und an die vielen freiwilligen Helfer, denn nichts ist selbstverständlich.
Was die Organisatoren Zuzie, Matthias und Werner 2017 wieder auf die Beine gestellt haben war einfach nur fantastisch. Uns bleibt nur zu sagen: „Herzlichen Dank für dieses  atemberaubende Festival und es war eine tolle Zeit. Alle haben dem mäßigen Wetter getrotzt. Herzlichen Dank an alle Besucher, die sich diesen Umständen gestellt haben.
Merci, dass wir wieder ein kleiner Teil des Festivals sein durften!

Wir sehen uns hoffentlich alle 2018 an selber Stelle wieder wenn es heißt, herzlich Willkommen zum Owls’n’Bats nummer fünf.

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