CD Review: Herzparasit – ParaKropolis

Veröffentlicht: 30. Mai 2017 von steffischaaf in CD Neuerscheinungen, CD Review
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hp_parakropolis_cover_frontDie Münchner Band Herzparasit hat noch nie ein Blatt vor den Mund genommen. Mit selbstkritischen Gedanken und schonungsloser Abrechnung mit  der Gesellschaft haben sie sich in den letzten Jahren Gehör verschafft. Und auch wenn die Arbeiten zum dritten Album ParaKropolis jetzt drei Jahre dauerten, können wir mit Sicherheit erneut mit eindrucksvollen Texten und dazu passender musikalischer Umsetzung rechnen.

Das Album startet bereits, wie erwartet, mit einer kurzen, knappen Abrechnung. Wir sind Schuld an der Zerstörung der Welt, die Trümmer liegen zu unseren Füßen, alles untermalt mit dumpfen, eintönigen Beats, die die Dramatik der Zeilen verstärken.
Treibend eröffnen uns die Rhythmen den Eintritt zur Manege, fast majestetisch erklingen die ersten Takte bis die harten Metalriffs einsetzen und uns die verzehrte, fast hypnosierende Stimme von Ric einlädt in die Mitte des Geschehens. Sehr eigensinnig und speziell, aber so etwas braucht die Szene. Einheitsbrei kann Jeder!
Die Schwere setzt sich bei „Tastsinn“ fort, ein Song der unter die Haut geht mit einem Text, der zum Nachdenken anregt und den Hörer sämtlichen Spielraum für Interpretationen lässt.
Sehr eindringlich und faszinierend finde ich den Song „Meine Träume jagen mir hinterher“. Wir sind Marionetten der Gesellschaft, ohne Gesichter, zu kaputt unsere eigenen Wege zu gehen und wenn wir es versuchen, werden wir aufgehalten. Leider heutzutage für so viele zum Alltag geworden. Der Song soll wachrütteln und gerade mit den starken Grawls gelingt das Herzparasit sehr gut. Der Kampf kann beginnen.
Mit Vergnügen schaute ich erst vor einem halben Jahr noch die Serie Dexter, alle Staffeln am Stück und jetzt taucht mit „Blut lügt nicht“ eine Hommage auf, die mit Kinderchor und harten Riffs nicht verstörender sein könnte. Herrliches Stück!
Klare Worte finden Herzparasit mit “ Zack, Boom Bang“. Wer kann denn die „Scheiße“ in den heutigen Medien schon noch sehen, die wichtigen Themen werden erst gar nicht erwähnt, es geht hauptsächlich um Bloßstellung, Profit, Gier und Macht. Und leider lassen wir uns zu sehr von den Bildern manipulieren, deswegen „Glotze aus“ und raus.
Pfeffernde Beats knallen euch mit „Vatermal“ um die Ohren. Sehr eingängige Synths durchziehen den Song und wecken zumindestens meine gesamte Aufmerksamkeit, erst beim zweiten Hören konzentriere ich mich auf den Text, ein Flehen an Gott und mit der Bitte um Verzeihung.
Mit „Präparat“ erzählen uns Herzparasit eine etwas andere Liebesgeschichte mit einer ganz besonderen Hingabe. Das Tempo: knackig, flott und hart. Passend zum Text. Stimme: abwechslungsreich, eingängig. Absoluter Lieblingssong!
Fast bis zum Schluß muss der Hörer auf den Titelsong „ParaKropolis“ warten. Abrechnend und zerstörerisch, ein Titel über Abriss und Neuanfang. Knallharte und ehrliche Gedanken, die wirklich einmal laut gesagt werden müssen. Hut ab! Klasse Song mit Aussage.
Tanzbar gehts mit „It must be in English“ weiter. Herrlicher Sarkasmus über unser Denglisch im Alltag gepaart mit rockigen Riffs.
Herzparasit können aber auch anders. „Regentage“ ist ein sehr melancholischer, tragender Song mit Klavierklängen, der tief unter die Haut geht und die Gedanken anregt. Sehr eindrucksvoll und überraschender Abschluss.

Fazit: Herzparasit erfüllen mit ParaKropolis meine Erwartungen vollstens! Knackiger, abwechlungsreicher Sound, schonungslose, abrechnende und klare Worte! Ein Album, das defintiv gehört werden muss!

Smiley als CDSmiley als CDSmiley als CDSmiley als CDSmiley als CD

Anspieltipp: Präparat, Regentage

Herzparasit – ParaKropolis (VÖ: 05.05.2017)

Tracklist:

  1. DNA unbekannt
  2. Manege frei
  3. Tastsinn
  4. Meine Träume jagen hinter mir her
  5. Blut lügt nicht
  6. Zack! Boom! Bang!
  7. Einzelteile
  8. Vatermal
  9. Präparat
  10. Ich
  11. ParaKropolis
  12. It must be in English
  13. Regentage
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