Interview mit Gloom Sleeper

Veröffentlicht: 16. April 2017 von steffischaaf in Fundgrube, Interview, Veranstaltungen

Das Owls `n´ Bats Festival geht in die vierte Runde und wartet zum ersten Mal mit sechs Bands auf. Schön, dieses Mal auch wieder eine lokale Band auf den Brettern zu sehen. Gloom Sleeper, aus dem schönen Bielefeld, werden den Festivaltag eröffnen. Wir hatten Marc für euch im Interview.

Wer steckt hinter Gloom Sleeper?
Hannes. Der hat sich nämlich irgendwann während des Post-Punk-Revivals vor ein paar Jahren gedacht, dass er eigentlich auch gerne mal etwas Anderes als Hardcore-Punk und Crust machen möchte. Zu der Zeit spielte er noch Schlagzeug bei Ruins und Gitarre bei Patsy O’Hara. Im Frühling 2014 haben wir uns dann zum ersten Mal getroffen, um zu proben. Damals noch mit Drumcomputer und ohne Bass. Den hat Jonas dann im Laufe des Sommers übernommen. Zusätzlich spielt er mittlerweile auch noch Orgel und Synthesizer. Den Computer hat mittlerweile Stefan ersetzt, der Anfang 2015 dazu gestoßen ist.

Wie würdet ihr eure Musik beschreiben?
Als beharrlichen Versuch, unsere Punk-Wurzeln zu leugnen.

Was macht euer Projekt besonders?
Die Frage ist sehr schwer zu beantworten, deshalb möchte ich ausweichen: Wenn wir Lieder schreiben, dann nicht mit dem Anspruch etwas Besonderes zu machen. Das ist überhaupt kein Kriterium, auf das wir bewusst Wert legen und das hat etwas sehr Befreiendes. Es ist bei uns vielmehr so, dass jemand eine Idee hat und dann fangen wir einfach an, damit rumzuspielen und folgen der Dynamik, die sich ergibt. Für uns ist daher jeder Song besonders. Falls sich daraus etwas ergibt, das unsere Songs auch für andere besonders macht, dann freut uns das umso mehr.

Was und wen wollt ihr mit Euren Songs erreichen?
Darüber machen wir uns eigentlich gar keine Gedanken. Wir möchten uns in erster Linie in unseren Songs austoben. Aber natürlich hoffen wir, dass das auch anderen gefällt. Meistens sind das übrigens schwarz gekleidete Männer über vierzig.

Was hat Euch bewogen Musik zu machen?
Für Hannes und Jonas waren die ganzen VHS-Aufzeichnungen, die ihre Eltern vom WDR-Rockpalast gemacht haben, prägend. Für mich war es einige Jahre später MTV. Stefan hat schon früh im Spielmannszug getrommelt. Bei den anderen spielte eine musikalische Früherziehung wohl auch eine Rolle. Ich hatte sowas nicht.

Was macht gute Musik für euch aus?
Auch das ist schwer zu beantworten, aber man hört ja oft, dass gute Musik ehrlich und authentisch sein soll. Zumindest dem würde ich widersprechen wollen, weil ich diesen Maßstab in der Regel sehr borniert finde. Damit ist doch im Grunde auch nur gemeint, dass man nicht aus der Reihe tanzen darf. Und mal davon abgesehen, dass Authentizität im Grunde auch nur ein Produkt ist, finde ich Musik einfach viel spannender, wenn sie inszeniert, übertreibt und dramatisiert. Erst dadurch wird sie für mich erst wirklich aufregend, erfahrbar und mitreißend. Außerdem glaube ich, dass zu guter Musik immer auch eine grundlegende Melancholie gehört.

Welche Bands beeinflussen euch? Welche Alben haben euch geprägt oder begeistert?
Da könnte man jetzt ziemlich weit ausholen und eine Aufzählung beginnen, die kein Ende finden würde. Stattdessen möchte ich einfach ein paar Alben nennen, die uns und unsere Musik auf besondere Weise prägen: The Sound – Jeopardy, Placebo – Black Market Music, The Estranged – The Subliminal Man, Wipers – Over the Edge, AFI – Sing the Sorrow und Terrible Feelings – Shadows.

Welche Musik hört Ihr zu Hause, unterwegs oder beim Sport?
Noch so eine Frage, auf die ich lieber mit ein paar konkreten Anspieltipps antworten möchte. Für zu Hause empfehlen wir die wunderbare 7“ von Static Means zum Tanzen und mitsingen. Wer es lieber dunkel und depressiv mag, sollte unbedingt mal in die neue LP von Tumefactum reinhören. Wenn wir unterwegs sind, dann muss im Van mindestens einmal laut die Rose Mountain der Screaming Females laufen. Beim Joggen, erzählte Hannes vor kurzem, hört er in letzter Zeit immer die aktuelle LP von Pretty Hurts. Super Platte, höre ich aber lieber zu Hause. Wenn die Sonne scheint und ich mal laufen gehe, dann begleitet mich dabei stets das erste Album von Radioactivity.

Eine Band durchläuft stets Höhen und Tiefen. Was war der absolute Höhepunkt in der Vergangenheit und was der bitterste Tiefpunkt?
Es scheint mir nach gerade einmal etwas mehr als zwei Jahren etwas zu theatralisch von absoluten Höhepunkten und bittersten Tiefpunkten zu sprechen. Aber sicherlich gehört unsere Tour durch Spanien und Frankreich im letzten Jahr zu den bisherigen Highlights. Sie ist auch deswegen erwähnenswert, weil sich auf dieser Tour Tief- und Höhepunkte unmittelbar die Hand gegeben haben. Wir hatten gleich zwei Mal einen totalen Motorschaden und sind jedes Mal davon ausgegangen, dass wir die anstehenden Shows nicht werden spielen können. Aber wir haben keine einzige Show verpasst. Wir hatten echt unfassbar viel Glück.
Bilbao.pngNiemals werden wir vergessen, wie wir 50 Kilometer vor Bilbao im absoluten Nirgendwo liegen geblieben sind. Der Abschleppdienst ließ auf sich warten und wir hatten die Show eigentlich längst abgeschrieben. Und dann stellte sich heraus, dass das Autohaus, zu dem wir gebracht wurden, nur zwei, drei Häuser vom Konzertort entfernt war. Dort warteten auch schon die Veranstalter, die zwischenzeitlich einen Bulli organisiert hatten, um unsere Sachen zum Laden zu bringen. Mit ihrer Hilfe hat letztlich alles doch noch geklappt.
Aber am nächsten Tag hatten wir stolze 700 Kilometer vor uns und bevor wir die zurücklegen konnten, mussten wir uns ja auch noch um einen Ersatzwagen für den Rest der Tour kümmern. Und so unwahrscheinlich das auch war, auch das hat irgendwie geklappt. Ein Van ließ sich nicht mehr auftreiben, deshalb ging es schließlich in zwei überladenen PKWs weiter und nach fast neun Stunden erreichten wir dann völlig zermürbt von der langen Fahrt Nantes in Frankreich. Es war unter der Woche, schon weit nach zehn und die erste Band hatte längst gespielt, aber die Leute sind trotzdem geblieben. Wir haben vermutlich noch nie so schnell ausgeladen, aufgebaut und angefangen zu spielen. Und plötzlich haben alle getanzt und gesungen. Von Anfang bis Ende. Sie kannten uns und unsere Texte nicht, deshalb wurden einfach lauthals die Gitarren- und Synthiemelodien mitgesungen. Alle Strapazen waren vergessen. Das war einfach wundervoll.

Was ist für die Zukunft geplant? Welche Ziele habt ihr euch selbst gesteckt? Was steht als nächstes an? Tour? Studio?
Wir haben für die erste Jahreshälfte einige Shows anstehen. Im April machen wir auch eine kleine Tour nach Osteuropa, worauf wir uns schon sehr freuen. Zudem arbeiten wir gerade an unserem zweiten Album, das wir im September im Rama Studio in Mannheim aufnehmen werden. Wenn also alles läuft wie geplant, dann kommt noch dieses Jahr unsere zweite LP raus.

GloomSleeper_Darmstadt2

Foto: Dirk Wöhler

Welche Rolle spielen für euch Live-Auftritte und was empfindet ihr dabei?
Eine sehr große Rolle, auch wenn das nicht von Beginn an so war, denn, wie gesagt, wollten wir ursprünglich ja eigentlich nur ein kleines Nebenprojekt machen, um uns mal in anderen Genres auszuprobieren. Das Ziel war eigentlich immer nur ein bisschen Spaß zu haben, wieder gemeinsam Musik zu machen und vielleicht mal etwas aufzunehmen. Spaß hatten wir und deshalb investierten wir auch immer mehr Zeit und Energie in das Projekt, bis wir dann irgendwann gemerkt haben, dass es schon längst mehr war als nur das. Natürlich wollten wir dann auch live spielen und mittlerweile steht das bei uns zweifelsohne im Mittelpunkt. Seit unserer ersten Show im Oktober 2014 haben wir nun schon weit über 50 Konzerte gespielt. Aufgeregt, angespannt und unsicher sind wir aber immer noch jedes Mal. Sowohl davor, als auch währenddessen und danach. Zugleich sind wir aber natürlich auch jedes Mal glücklich, euphorisiert und berauscht. Es ist ein unbeschreiblich schönes Gefühl, wenn fremde Menschen zu den eigenen Songs tanzen. Dass wir gerade auch die Möglichkeit haben, so viele Konzerte zu spielen, dafür sind wir sehr dankbar.

Am 01.07. spielt ihr vor einer wunderbaren Kulisse am Hermannsdenkmal beim Owls `n´ Bats Festival. Freut ihr Euch darauf? Kennt ihr vielleicht sogar eine der anderen Bands? Auf welche Band seid ihr besonders gespannt? Was sind Eure Erwartungen?
Natürlich. Als uns Zuzie und Matthias gefragt haben, ob wir auf dem Owls’n’Bats spielen wollen, haben wir uns sehr gefreut. Wir kannten das Festival ja schon vorher und wollten gerne mal dort spielen. Die Kulisse ist wirklich schön. Das Hermannsdenkmal stört mich allerdings. Ich kann dem weder ästhetisch, noch politisch etwas abgewinnen. Aber ich mag den Wald. Gespannt sind wir vor allem auf Esben & the Witch. Von den anderen Bands lassen wir uns überraschen.

Was fällt Euch als Erstes zu folgenden Begriffen ein?
Musik
: Rockpalast, MTV und Punk
Kindheit
: Pur Live – Die Zweite, Spielmannszug, Nintendo und Schmöttkekugeln
Blockade
: Motorschaden
Auftritt
: Nantes
Heimat
: Nein

Gloom Sleeper auf Facebook

Advertisements

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.