Interview mit Mystigma

Veröffentlicht: 29. Juni 2016 von steffischaaf in Interview
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Nachdem wir die letzten zwei Alben der Band Mystigma für euch unter die Lupe nehmen durften, wurde es jetzt auch endlich Zeit für ein Interview. Wir wünschen euch viel Spaß beim Lesen!

Independent Sounds: Hallo Torsten und Jörg schön, dass Ihr Euch die Zeit nehmt ein paar Fragen für unsere Leser und Leserinnen zu beantworten. Als Erstes möchten wir wissen: Wie geht es Euch und vor allem Dir Torsten nach der erschreckenden Nachricht: Schlaganfall?
Mystigma:
Torsten: Uns geht es soweit gut. Ich bin derzeit noch krank geschrieben und es stehen noch weitere Arztbesuche an, aber sonst merkt man kaum noch etwas, wahrscheinlich sowieso nur ich selbst. Ich werde jetzt ein bisschen bedachter und ruhiger leben müssen und auch Medikamente einnehmen. Aber wie gesagt alles wird gut, muss nur etwas auf mich aufpassen.
INS: Wir wünschen Dir auf jeden Fall weiterhin gute Genesung und nur das Beste!

INS: Bannen wir uns mal einen Weg in die Vergangenheit, wie kamst Du bzw. Ihr auf die Idee Musik zu machen? Gab es Unterstützung von den Eltern? Wurde euch die Musik in die Wiege gelegt? Oder war es eine Art Rebellion um die Eltern zu ärgern?
Torsten: Als Musikliebhaber war es natürlich ein großer Wunsch unseren damaligen Idolen nachzueifern und selbst eine Band auf die Beine zu stellen. In die Wiege gelegt wurde und das eigentlich nicht, sondern die Motivation kam eher aus dem Inneren heraus. Rebellion sicher auch ein Stück weit, aber nicht gegen die Eltern, die das ganze zwar nicht unbedingt unterstützt aber zumindest toleriert haben, sondern eher gegen das System, den Mainstream, Spießertum und fragwürdige Moralvorstellungen

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Mystigma, Herzblut Festival 2016

INS: Was gab Euch die Motivation weiterzumachen? Was bedeutet Musik für Euch und wart Ihr schon immer dem Düsteren verfallen?
Torsten: Die Musik ist für uns der optimale Ausgleich zu unseren regulären Berufen und auch ein Ventil unsere Gedanken und Emotionen nach Außen zu tragen und in Songs umzumünzen. Es ist uns wichtig unsere Ideen zu verwirklichen und uns kreativ auszuleben. Uns macht es einfach nach wie vor Spaß Songs und Alben zu schreiben und zu veröffentlichen und diese live zu präsentieren. Und Ja, die düstere und manchmal melancholische Ausrichtung war eigentlich schon immer ein Merkmal unseres Sounds, den man jedoch nicht darauf reduzieren sollte. Du hast ja in deinem Review von „Schattenboten“ auch den Abwechslungsreichtum des Albums und die unterschiedlichen Emotionen erwähnt.

INS: Woher kommen die Inspirationen für die Texte? Verzweifelt man öfters und sucht stundenlang nach passenden Reimen? Was tust Du oder Ihr gegen Blockaden?
Torsten: Es mag vielleicht ein wenig abgedroschen klingen, aber das tägliche Leben mit seinen Ups und Downs, der alltägliche Wahnsinn, unsere morbide Welt, die von vielfältigen Ängsten, Unwägbarkeiten, Brandherden und unzähligen Krisen und Kriegen mehr denn je geprägt ist, bietet mir eigentlich immer genügend Stoff für Texte. Dazu kommen natürlich auch diverse persönliche Erfahrungen und Beobachtungen, innergesellschaftliche Konflikte, zwischenmenschliche Abgründe, sowie die kritische Auseinandersetzung mit Religions- und Glaubensfragen.
Ja, natürlich gibt es die Momente, in denen man verzweifelt nach einer passenden Aussage oder Metapher sucht. Gerade jetzt nach Fertigstellung und Release eines Albums fällt es mir ein wenig schwer den „Schalter wieder umzulegen“. Helfen kann da sicherlich das nötige Maß an Ruhe, ein Spaziergang oder das eine oder andere Glas Rotwein.

INS: Im April erschien „Schattenboten“, dunkel, melancholisch aber auch kämpferisch und treibend. Wie würdet Ihr Eure Entwicklung über die Jahre beschreiben?
Jörg: Ich lese manchmal in Berichten und Reviews: „Mystigma sind seit über 20 Jahren aktiv“; ja, prinzipiell mag das stimmen, aber die ersten Jahren waren eine riesige Spielwiese und geprägt von einem vorsichtigen herantasten und herumprobieren. In den ersten 10-12 Jahren agierten wir als reine Amateurband die grundsätzlich wenig Ambitionen hatte. Viele wissen das so genau gar nicht und bewerten immer die ganzen 23 Jahre seit Gründung der Band, die irgendwo in einem Bierkeller stattgefunden hat als wir alle noch Teenager oder gerade mal 20 waren. Man muß das alles schon differenzierter betrachten. Seit dem Release unseres 1. Albums „Universal Surrender“ wurde die Sache für uns ernsthafter und die Entwicklung ging stetig bergauf. Zwar vergingen zwischen „Universal Surrender“ und „Andagony“ 5 Jahre, aber zwischen den letzten 3 Alben lagen immer 3 Jahre. Festzustellen ist, dass wir insgesamt reifer, vielseitiger und über die Jahre auch konsequenter und härter geworden sind. Die Trademarks wie die Melancholie und das düstere sind seit jeher vorhanden, nur klingt heute alles deutlich homogener und ausgefeilter.

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Mystigma, Herzblut Festival 2016

INS: Wie viele Arbeitsstunden habt Ihr letztendlich investiert und wie viele schlaflose Nächte verbracht?
Jörg: Natürlich ist so eine Produktion manchmal auch nervenaufreibend, weil nicht immer sofort alles so gelingt wie man es sich vorstellt und einem grundsätzlich vieles durch den Kopf geht. Am Ende eines Arbeitstages ist es aber auch wichtig abzuschalten um den Kopf frei zu bekommen, damit man am nächsten Tag wieder mit frischen Ohren an die Produktion gehen kann. Da wir einen Teil der Aufnahmen in unser bandeigenes Studio verlagert hatten, waren wir zeitlich flexibel was die Aufnahmesession betrifft. Wenn es die Zeit erlaubte habe ich auch nachts Spuren aufgenommen, wobei ich am liebsten nachmittags und abends arbeite. Der gesamte Produktionsprozess dauerte mit einigen eingestreuten Pausen in etwa ein halbes Jahr.

INS: Was sind Eure Empfindungen, wenn Ihr die fertigen Stücke das erste Mal hört und Live spielt und findet man nach mehrmaligem Hören Sachen, die man vielleicht doch hätte anders machen können?
Jörg: Als wir die fertigen Mixes und später das Master hörten, hatten wir ein gutes Gefühl und waren der Meinung das Produkt auf die Menschheit loslassen zu können. Und ja, man findet immer Sachen die man im nachhinein vielleicht etwas anders gemacht hätte. Wobei wir mit „Schattenboten“ insgesamt betrachtet schon sehr zufrieden sind, da die Platte im Vergleich zu unseren bisherigen Alben unseren Vorstellungen vom Mystigma Sound am nähsten kommt. Verbesserungspotential gibt es immer, alles andere wäre vermessen.
Wenn wir live neue Songs einbauen ist natürlich etwas Nervösität mit im Spiel, da man hofft das die Songs gut ankommen und wir sie auch gut rüberbringen. Die bisherigen Reaktionen auf unseren Konzerten sind auf jeden Fall super gewesen.

INS: Die Rezensionen zu „Schattenboten“ fielen durch die Reihe weg sehr positiv aus, hattet Ihr so damit gerechnet? Wir jedenfalls warten auf Nachschub! Läuft die Songproduktion bereits wieder und könnt Ihr uns vielleicht schon mehr verraten?
Torsten: Ja, das stimmt. Die Rezensionen sind in der Tat überwiegend sehr sehr positiv, was uns natürlich sehr freut. Aber ebenso wichtig ist der Aspekt, dass unsere Fans und wir selbst mit dem Album glücklich sind, was ja zum Glück bisher auch der Fall ist. Es freut uns, dass ihr schon auf Nachschub wartet und zumindest kann ich verraten, dass auch die Songproduktion schon wieder angelaufen ist. Mehr kann und will ich momentan aber auch noch nicht sagen.
Jörg: Der eine oder andere Song ist bereits geschrieben, wir sind aber erst ganz am Anfang und benötigen vielleicht auch noch etwas Abstand zu „Schattenboten“. Grundsätzlich möchten wir den aktuell eingeschlagenen Weg fortführen,gleichzeitig haben wir das Ziel noch bessere Songs zu schreiben und vielleicht auch punktuell neue Impulse in unseren Sound zu setzen.

INS: Wo kann man Euch in diesem Jahr noch Live sehen? Gibt es noch einen Gig auf den Ihr Euch besonders freut?
Torsten: Wir sind dieses Jahr live recht gut unterwegs. Im Sommer und Frühherbst spielen wir einige Festivals und im Herbst geht es dann auf Clubtour mit „Heimataerde“, bevor Richtung Jahresende noch einige Festivals folgen. Unsere Termine könnt ihr unserer website“
http://www.mystigma.dewww.mystigma.de oder unserer Facebookpräsenz „http://www.facebook.com/MYSTIGMA.OFFICIALwww.facebook.com/MYSTIGMA.OFFICIAL entnehmen.

INS: Was bedeuten Live-Auftritte für Euch? Ist Lampenfieber noch ein Thema?
Jörg: Lampenfieber ist bei den Bandmitgliedern ganz unterschiedlich ausgeprägt und jeder hat da so seine Mechanismen um damit umzugehen. Eine gewisse Anspannung vor einem Gig ist normal und auch notwendig, es darf aber nicht ausarten, sonst verkrampft man. Grundsätzlich sind Konzerte für uns sehr wichtig, da wir dadurch die Chance haben uns zu präsentieren und die Fans von unserer Musik zu überzeugen. Ich denke das ist bei fast allen Künstlern so. Besonders wichtig und angenehm sind für uns die Gespräche mit den Leuten nach den Konzerten, hierfür nehmen wir uns wenn möglich auch immer die Zeit. Direktes Feedback zu bekommen ist enorm wichtig und dient zudem auch der Weiterentwicklung als Band.

INS: Gibt es einen Auftritt in der Vergangenheit, der Euch besonders im Gedächtnis geblieben ist? Sei es Katastrophe oder Highlight?
Jörg: Wir hatten vor einigen Jahren mal einen Gig im Bremen, wo im Vorfeld als auch während des Konzertes so einiges schief gelaufen ist. Ich persönlich hatte auch leider vor dem Konzert ein-zwei Bierchen zuviel getrunken, was natürlich ein großer Fehler war und mir bis heute eine Lehre ist. Generell überwiegen aber die positiven Erinnerungen, insbesondere auf die kleineren Clubgigs, wo die Fans dicht an der Bühne stehen und ordentlich mitgehen.

INS: Wo seht ihr Euch in fünf Jahren, wie schaut die Zukunft von Mystigma aus?
Jörg: Grundsätzlich planen wir nicht so weit im voraus, da keiner weiß was in 5 oder 10 Jahren sein wird. Wir kennen viele Bands die mit uns oder später angefangen haben und die es schon länger nicht mehr gibt. Uns gibt es nach wie vor und darauf sind wir stolz. Solange wir noch gute Ideen für Songs/Texte haben und unsere Motivation noch anhält, werden wir weiter Songs schreiben und veröffentlichen, ob es den Leuten nun gefällt oder nicht (he he). Aber aktuell sind dieses Jahr erst einmal die Konzerte wichtig, wir wollen schließlich noch mehr Fans von unseren Songs überzeugen.

INS: Wie bedanken uns sehr für das Interview, die letzten Zeilen gehören Euch, wenn Ihr den Fans noch etwas sagen möchtet.
Torsten: Wir danken euch für das Interview und für eure Unterstützung. Selbstverständlich grüßen wir alles Fans und Leser. Wir sehen uns auf Tour, bis dahin „Schattenboten“ anchecken.

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