Konzertbericht: 12.03.2016 Melting Sounds Festival VOL.II

Veröffentlicht: 19. März 2016 von guidowein in Konzertreviews, Veranstaltungen
Schlagwörter:, , , , , , , , ,

Independent. Dark. Artistic. Excellent. This is Melting Sounds Festival Vol. II
Unter diesem Slogan fand am 12.03.2016 das zweite Melting Sounds Festival in Essen, in der Zeche Carl, statt.
An diesem trüben Frühlingstag sollte uns ein Festival erwarten, dass es in dieser Art der Verknüpfung von Kunst und Musik selten in diesem Land zu sehen und zu erleben gibt. Im Vorfeld dieser Veranstaltung hatten wir die Ehre euch schon einige Künstler und Bands in unseren Fundstücken und Beiträgen näher zu bringen. Nun war der Tag gekommen, an dem wir uns Live von den Darbietungen und Können der diversen Kunstschöpfern überzeugen sollten.

Uns erwartete ein signifikantes Gebäude in Essens-Altenessen. Die Zeche Carl ist ein ehemaliges Bergwergunternehmen, das von 1861 bis 1929 vielen Menschen in der Region Arbeit bot. Das Gebäude steht mittlerweile unter Denkmalschutz und ist seit ca. 25 Jahren ein fester Bestandteil der Essener Kulturszene. Eine geradezu umwerfende Location für so ein außergewöhnliches Festival, wie wir dachten. Die Doors öffneten pünktlich gegen 17:00 Uhr. Die nachfolgenden Gäste trudelten nach und nach in diese wundervolle Örtlichkeit ein. Uns erwartete ein sehr schönes Foyer, das sich auf einer Seite mit einer schönen Cocktailbar und auf der anderen Seite mit den Ausstellungen der Künstler von Gotikatur, Vinsterwan, Certa Sculptura und dem Art- und Akt-Fotografen Roman Kasperski vor uns eröffnete. An den „Ständen“ der außergewöhnlichen Künstler gab es die Möglichkeit mit den Protagonisten ins Gespräch zu kommen. Gemütliche Sitzgelegenheiten boten den Gästen auch ein längeres verweilen im Foyer an, um die ihnen dargebotenen Artefakte ganz in Ruhe in Augenschein zu nehmen. Die Möglichkeit sich von Gotikatur in feinster Comic-Manier zeichnen zu lassen oder sich von den überdimensionalen Gemälde von Vinsterwan als auch von den Bildnissen der wundervollen und exentrischen Sculpturen von Certa Scultura in eine andere Welt entführen zu lassen, nahmen viele Gäste an. Sehr beeindruckend, wie wir fanden und in der Tat außergewöhnlich.

SONY DSC

Splendor

Es wurde Zeit sich in den Konzertsaal zu begeben, denn gegen 17:45 Uhr erwarteten uns schon mit fetten Gitarrenriffs die erste Band des Abends. Splendor aus Polen gaben sich auf der durchaus geräumigen aber dennoch nicht zu großen Bühne die Ehre. Die Visual-Rocker machten eine gute Figur auf der Stage. Perfekt geschminkt, gepaart mit einer Kluft alla Mad Max und eine attraktive Dame am Schlagwerk. Mir kamen immer wieder Vergleiche mit Marylin Manson in den Sinn. Das Licht war düster und die Nebelmaschine arbeitete auf Hochtouren. Ein tolle und mystische Atmosphäre inklusive Videoprojektionen die durch den treibenden und drückenden Sound, Lust auf noch ganz viel mehr Musik an diesem Abend machte. Die Location füllte sich nur langsam  mit den Festivalgästen. Vielleicht lag es an der nicht gerade Gothic-haften Ührzeit, dass das Publikum noch gut überschaubar war. Nichtsdestotrotz lieferten die polnischen Musiker mit den Songs „Fake“, „Couture“, „Shut on You“ und den Sisters Cover „Lucretia,My Reflection“ einen perfekten Start für diesen Abend hin. In der kurzen Umbauphase hatten wir die Möglichkeit uns von dem reichhaltigem Merch überzeugen zu lassen. Alles da, was der gemeine Fan eines Festivals benötigt. Von Band-Shirt bis Hoodies als auch CDs und die gute alte Schallplatte, hier wurden alle Wünsche erfüllt. Darüber hinaus hatten die Gäste die Möglichkeit mit den Veranstaltern diverser anderer excellenten Festivals wie z. B das Owls’n’Bats Festival“, „Gotham Sounds Festival“ oder „Dark Skies over Witten“ in Kontakt zu treten. Wo gibt es schon sowas, die Verantwortlichen stehen den Gästen Rede und Antwort. Und nicht nur das, sie hatten auch die Gelegenheit gleich Tickets für diese Festivals zu günstigen Preisen zu erwerben. Super Aktion des Melting Sounds Verantwortlichen.

SONY DSC

Christine Plays Viola

Es war mittlerweile ca 18:40 als die italienische Band Christine Plays Viola die Bretter enterten und uns fett was auf die Lauscher gaben. Abgesehen von kurzen Tonproblemen zogen die fünf Darkwave und Gothic Rocker eine professionelle Show ab. Die Zuschauer dankten es ihnen mit fetten Applaus. Der melancholisch-bewegende und abwechslungsreiche Sound überzeugte nicht nur uns. Auch die Bühnenpräsenz von Sänger Massimo mit seinen doch sehr eigenwilligen Tanzstil machte diesen Gig zu einem besonderen. Toller Auftritt in Essen von Christine Plays Viola.

SONY DSC

salvation AMP

Es folgten gegen 19:30 Uhr die Detmolder Dark-Gothic -Rock Formation Salvation AMP. Die drei brillanten Musiker aus dem Ostwestfälischen boten an diesem Abend eine excellente Auswahl ihrer Songs.“Mother Talk“, „Iceflower“ oder den Titelsong ihres aktuellen und gleichnamigen Albums „Earth we walk upon“ wurden mit viel Hingabe und mit vollen Körpereinsatz von Frontmann Christ-Ian und einer ganzen Menge Nebel zelebriert. Ebenfalls kamen die Entertain – Einlagen von Mastemind Christ-Ian beim Publikum sehr gut an. Ein Auftritt der viel zu schnell nach knapp 45 Minuten zu einem Ende fand.

SONY DSC

Schonwald

Schnell wurde die Stage hergerichtet für das italienische Duo Schonwald um Alessandra Gismondi und Luca Bandini. Gegen 20:30 Uhr war es dann so weit und die beiden sympathischen Cold Wave Virtuosen starteten ihr umfangreiches Set an diesem Abend. Mit Hilfe einer Videoprojektion wurde der Zuschauer mit auf eine Reise in eine atmosphärische und ebenso hypnotische Stimmung genommen. Die eher minimalistischen Schwingungen ihrer Songs gingen direkt in die Beine. Vor der Bühne wurde ausgelassen getanzt und die Synthmelodien, eingerahmt von Lucas tiefgängigen Gitarrensound und Alessandras berührendem leicht verzerrtem Gesang, ging uns und dem Publikum wie einen Rausch durch den Körper. Tracks wie „Fury“, „Mercurial“ und „Direction“ heizten den anwesenden  ca. 100 Besuchern ordentlich ein. An diesem Abend wurde den Gästen Post-Punk  und Cold Wave in höchster Vollendung zelebriert. Leider ging auch dieser Gig viel zu schnell vorbei und so freuten wir uns auf den Headliner des Abends Nordic Giants.

SONY DSC

Nordic Giants

Die Bühne wurde verhüllt beim Umbau, um wirklich keinen Blick auf dem was uns erwarten solle Preis zu geben. Das Licht im Saal verdunkelte sich, der Vorhang fiel und zum Vorschein kam eine riesige Leinwand, in der Mitte der Bühne eine Säule mit Bildprojektionen und natürlich die zwei britischen Musiker Roka und Loki. Loki auf der linken und Roka mit seinen Drums auf der rechten Seite der Stage. Unter leisen Klängen startete ein Film über eine Gruppe, die anscheinend nur noch mit Hilfe von Sauerstoffflaschen auf der Erde existieren kann und die sich nach und nach durch den Mangel und auch den Kampf um Vorräte minimiert. Somit beginnt mit fetten Drums und heftigen Synthsounds  eine blutrünstiges und klaustrophobisches Kino mit einer Musikuntermalung des Instrumental-Duos Künstler, die wohl noch niemand so vorher erlebt bzw. gesehen hat. Es wurden Filme mit der dazugehörigen Musik gezeigt, die da hießen „Suizid Brothers“ oder tief eine berührende Geschichte zweier Totengräber die verzweifelt versuchten eine alte Dame zu bestatten. Ein Auftritt der britischen Formation der sich ziemlich düster und anstrengend für Körper und Geist darbot. Eine unglaubliche Reise von Emotionen, Ekel, Überraschung und Begeisterung endetet unter tosenden Applaus und zwei Zugaben gegen 23:30Uhr endete. Ich kann nur jedem empfehlen sich diese begnadeten Visual-Psycho-Rocker einmal anzusehen. Schaut also auf die Hompage von Nordic Giants und sichert euch unbedingt ein Ticket, denn tiefgründiger und mitreißender kann Musik fast nicht sein. Sehr anspruchsvoll!

Somit endete das Melting Sounds Festival Vol.II, doch wer immer noch nicht nach Hause wollte und unbedingt  ordentlich abzappeln wollte, hatte bei der Aftershowparty die beste Gelegenheit dazu. Ein Abend der Superlative mit Unmengen Eindrücken und vielen Gesprächen mit netten und lieben Menschen endetet somit für uns. Es war allerding sehr schade, dass nicht mehr Gäste zu diesem grandios organisierten Festival gefunden haben. Die Musiker und auch das freundliche Team vom Melting Sounds Festival hätten es mehr als verdient. Somit bleibt zu hoffen das sich in der kunterschwarzen und alternativen Szene herum spricht wie einzigartig dieser Abend in der Zeche Carl war und sich mehr finden die sich nächstes Jahr selber davon überzeugen können. Wir von Independent Sounds können nur sagen:
„Danke für diesen unglaublich tollen Abend von dem wir noch lange zehren werden. Wir nahmen viele wunderbare Eindrücke und Neuendeckungen mit und wir freuen uns auf das Melting Sounds Festival 2017“!

Text: G.W.
Bilder: Steffi Schaaf -> mehr auf unserer IndependentSounds Fotoseite

Advertisements

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.