Konzertbericht: 05.03.2016 Herzblut Festival 2016 in Hildesheim

Veröffentlicht: 11. März 2016 von guidowein in Allgemein

Das zweite Herzblut Festival in Hildesheim sollte dieses Jahr ein fester Bestandteil für die Zukunft in der etwas abgesegneten Festivalwelt in Deutschland werden. Mit sechs brillanten Bands (eigentlich ja sieben, aber Haudegen mussten aus Krankheitsgründen leider absagen) aus der Gothic- und Neue Deutschen Härte Szene, wollten die Veranstalter dieses Events einen weiteren Meilenstein in Hildesheim neben dem M`era Luna Festival im Sommer setzten. Ob sie auf dem richtigen Weg sind und wie vor allem das Publikum das „Frühlings“ Indoor Festival bewertet, wollten wir uns mal etwas näher anschauen.

Pünktlich gegen 16:10 Uhr öffneten die Tore zum zweiten Herzblut Festival. Vor der Halle 39 in Hildesheim hatte sich eine lange Schlange gebildet, die bei nasskalten Wetter auf eine zügige „Abfertigung“ geduldig am Eingang warteten. Der Einlass erfolgte somit rasch und das Personal und die Security empfang das Publikum sehr freundlich und zuvorkommend. Ein weitläufiges, modernes und helles Foyer erwartete uns und die übrigen Gäste. Merchstände, Bars für feine Cocktails oder eben auch das einfache Getränk wie Cola, Wasser, Bier und Co. waren zahlreich in der großzügigen Halle und im Außenbereich inkl. Pavillons vorhanden. Auch für das leibliche Wohl wurde einiges angeboten. Von Pommes bis Beef Burger und Brezeln blieb kaum ein Wunsch für den hungrigen Festival Besucher unerfüllt. Leider die Auswahl an vegetarischen Snacks etwas eingeschränkt. Vielleicht sollte hier das Angebot noch einmal überdacht werden.
Nach Gesprächen mit einigen Besuchern, waren nicht nur wir dieser Ansicht. 
In der Konzerthalle wurden wir von einer großen Bühne mit viel dB erwartet. Es war mittlerweile 17:00 Uhr und es tat sich etwas auf der Bühne. Mystigma, der Opener dieses Abend betrat unter dröhnenden Intro und mystischem Licht die Bretter und schmetterten gleich mit ihrem neuen Album „Schattenboten“ im Gepäck, los. Leider war der Ton nicht optimal, so das die Stimme teils garnicht und teils verzerrt aus den Speakern drangen. Ein Problem, das auch auf der Bühne von den Künstlern vernommen wurde. Unbeirrt dessen und sehr professionell begrüßte der sympathische Sänger Torsten das noch nicht sehr zahlreiche Publikum und trat mit einem weiteren neuen Song namens „Diva Harmagedon“ in das wundervolle inszenierte Scheinwerferlicht. Ein gelungener Mix aus älteren und neuen Stücken beendete die Eröffnung diese Festivals. Es war ein einigermaßen gelungener Start ihrer Schattenboten Tour 2016. Leider hatten die Musiker das leidige Tonproblem der Opener einer Veranstaltung. Ich persönlich finde es immer schade das auf Festivals die technischen Voraussetzungen für die teilnehmenden Bands doch recht unterschiedlich und nicht einheitlich geregelt sind. Wie dem auch sei, Mystigma hätten vielleicht einen Gig später spielen sollen. Alleine das übersichtliche Publikum hatten die freundlichen Musiker nicht verdient. Wo wir dann auch zum zweiten Teilnehmer des Festivals kommen. One I Cinema, eine junge alternative Rock Band aus Osnabrück. Diese Kapelle sollte uns nun auch wieder fett was auf die Lauscher geben? So sollte es in der Tat auch kommen. Nach einer kurzen Umbauphase enterten die Jungs gegen 18:10 Uhr die Stage und griffen gleich hart in die Saiten. Eine einstündige Vorstellung der Westfalen die uns nicht sehr überzeugte. Die Halle füllt sich für kurze Zeit und wurde aber während des Auftrittes leider auch wieder überschaubarer. Ein Grund mag wieder einmal der schlechte Sound beziehungsweise der damit zusammenhängende schlechte Gesang gewesen sein, hatten die Musiker auch im Vorfeld bereits länger für den Soundcheck benötigt, weil es diverese Probleme gab. Wo wir wieder bei den Grundvoraussetzungen auf einem Festival für alle Bands sind. Potenzial haben die fünf Musiker sicherlich, nur an diesem Abend sprang der zündende Funke einfach nicht herüber. Die Bühne war einfach zu groß für die Musiker, die sonstige „Einheit“ war nicht zu erkennen. Das war auch leider die Auffassung anderer Besucher des Festivals. So waren wir dann auch gespannt was Ost+Front, die nächste Band des Abends, an diesem frühen Abend so fabrizierten.

Gegen 19:30 Uhr erhoben sich zarte Klänge vor dem Brandenburger Tor, das gefangen in verzwirbelten Astwerk im Bühnenhintergrund lichttechnisch hervorragend in Szene gesetzt wurde. Ultra, das neue Album der Berliner Jungs, sollte an diesem Abend vor einer mittlerweile gut gefüllten Halle mit geschätzten 800 Zuschauern, zelebriert werden. Kräftige Drums aller Neue Deutsche Härte und fette Riffs zeigten dem Publikum wo der Frosch die Locken hat. Ein perfekter Mix aus allen drei bisher veröffentlichten Alben der exzentrischen Band wurde dargeboten. Von „Gang Bang“, „Sonne Mond und Sterne“ bis „Fick Dich“. Der mexikanische Song „Fiesta De Sexo“ machte besonders Laune. Brillante Bühnenshow incl. Sombrero und guter Gesang überzeugten das Auditorium. Ein großartiger und souveräner Auftritt von Ost+Front wie wir fanden. Schnell werden die Instrumente getauscht und ein penibler Soundcheck vollzogen und schon geht es um 21:00 Uhr weiter mit der freundlichen Unzucht. Ein kurzes Intro und gedämpftes Licht lässt erahnen, dass es gleich richtig was auf die Ohren gibt. Somit löste der Song „Rosenkreuzer“ eine entfesselte Gier nach mehr fetten Sound der Unzucht unter dem Publikum aus. Unter heftigen Applaus wurden die vier Niedersachen gebührend gefeiert. Auch hier zeigt sich das wahre Können und es wurde eindrucksvoll bewiesen das Gothic-Rock keineswegs eintönig und langweilig sein muss . Unzucht haben in den letzten fünf Jahren bewiesen, dass sie immer wieder für Überraschungen gut sind. So auch an diesem Abend in Hildesheim. Songs aus der gesamten Schaffenszeit der vier exzellenten Musiker pfeffern uns und den Zuschauern nur so um die Ohren. Diese eine Stunde Unzucht verging aber leider wie im Fluge. Immer wieder schafften es die Jungs das Publikum in ihren Bann zu ziehen. Ob es mit eindrucksvollen Gitarrensolos von Daniel De Clercq oder gefühlvollen und mystischen Momenten mit Daniel Schulz einfühlsamer und ausdrucksstarker Stimme war. Stücke wie „Schweigen“, „Unzucht“, „Nur die Ewigkeit“ oder das Bad als Surfer in der Menge, die anwesende Schar bedankte sich nach 60 Minuten fetten Sound gebührend bei der Band mit viel Beifall. Lacrimas Profundere waren als nächstes an der Reihe. Es war mittlerweile fast 22:30 Uhr als die charismatischen Musiker die Bretter betraten. Nun folgte feinster Gothic Rock mit einem schönen Spritzer Melancholie. Es wurden wunderbare Songs wie „My Release In Pain“ oder „Ave End“ zelebriert. Fetter drückender Sound kombiniert mit einem unglaublich warmen und gefühlvollen Gesang von Rob, dem Frontmann der Band. Ein beeindruckendes Akustikstück namens „No Matter Where You Shoot Me Down“ sorgte ebenfalls für Gänsehaut. Es tat uns allerdings sehr Leid mit welchen Tonproblemen gerade Rob zu kämpfen hatte. Es schien so als hätte in der ganzen Stunde ihres Auftrittes wohl selten Robs Ear-Monitoring richtig funktioniert. Es war für den Zuschauer zu erkennen wir er immer wieder etwas säuerlich zu seinem Tontechniker rannte um auf die Fehler hinzuweisen, vergebens. Nichtsdestotrotz lieferten die fünf Künstler einen tollen Job ab, der von den eingefleischten Fans mit viel Applaus und Jubel belohnt wurde. Als unfreiwillige Headliner des Abends, begaben sich die Herren von Megaherz nach einer schnellen Umbauphase gegen 23:50 Uhr auf die Bühne. Die Halle war wieder recht gut gefüllt. Mit “Zombieland” hauten die süddeutschen Brachial-Rocker uns einen ihrer aktuellsten Werke um die Ohren. Gefolgt von einer Menge altbekannter Stücke wie „Wer hat Angst vorm schwarzen Mann“ oder „Gegen den Wind“ die den gemeinen Megaherz-Fan allesamt zum mitsingen und mitgrölen animierte.“The Walking Dead” fand nach ca. 90 Minuten sein geplantes Ende und das Publikum dankte den Musikern für ihren brillanten und wieder mal bemerkenswerten Gig unter der Flagge des Herzblut Festivals 2016 mit einer Menge Applaus. Die Lichttechniker an diesem Abend leisteten großartige Arbeit, was ich vom Ton leider nicht sagen kann. Zumindest was die ersten zwei Bands Mystigma und One I Cinema angeht.

Unter dem Strich kann ich sagen, dass es ein gelungenes Festival mit einem tollen und freundlichen Publikum und ebenso tollen bis grandiosen Bands war. Das Lineup war vom Veranstalter gut durchdacht und stimmig. Die Preise für den Eintritt als auch für Getränke und Essen waren human. Einziger Kritikpunkt wäre das es kaum vegetarische Snacks oder diverse Verkaufsstände außer Merch gab. Aufgefallen ist uns ebenso das die Bands Mystigma als auch Lacrimas Profundere keinen Merch angeboten haben. Das fanden nicht nur wir schade sondern auch einige Gäste. Wir von Independent Sounds fanden den Abend rundum sehr gelungen und haben viele nette Leute getroffen und unzählige freundliche Gespräche geführt. Die Resonanz war durchweg positiv was das Gesamtpaket des Festivals betrifft. Nicht nur wir würden uns sehr freuen wenn es 2017 wieder heißt: Herzlich Willkommen in Hildesheim zum dritten Herzblut Festival.

Text: G.W.
Fotos: Steffi Schaaf -> mehr Fotos auf der Independent Sounds Fotoseite

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