Fundstück der Woche: Reptyle

Veröffentlicht: 17. Januar 2016 von steffischaaf in Allgemein

Am 20.02.2016 findet in der Villa am Hügel in Detmold das „HOME IS WHERE THE HEART IS sounds from the local guitar underground“ statt mit den lokalen Bands wie MindSlide, No Heart Contry und SalvationAmp. Den musikalischen Reigen komplettieren Reptyle aus Bielefeld!

REPTYLE_LOGO_2012Wer steckt hinter Reptyle?
Keule: Wir haben uns 1999 gegründet und nunmehr seit 5 Jahren mit Zulu am Micro, Slash und meiner Wenigkeit an den Gitarren, Dead am 4-Saiter und Kaiser an der Schießbude ein stabiles Line-Up.

Was macht euer Projekt besonders?
Zulu: REPTYLE sind eigentlich kein Projekt, sondern ein Teil des Lebens von im Laufe der Jahre, wenn ich richtig zähle, zehn Personen. Das Projekt bestand ja eigentlich von Anfang an „nur“ darin, dass wir unsere eigene Lieblingsmusik machen wollen. Das haben wir dann gemacht, wie zehntausende andere auch. Alles Besondere liegt darin, was daraus entstanden ist.
Andererseits ist es heute natürlich schon fast ungewöhnlich, in dieser Konsequenz als Band zu arbeiten – langfristig, ziemlich demokratisch und auch eher ergebnisoffen. Wir habe eine bestimmte Arbeitsweise und bestimmte Regeln, aber was dabei „herauskommt“, überrascht uns oft genug selbst (siehe oben).

Was und wen wollt ihr mit Euren Songs erreichen?
Zulu: Das sind ja schon zwei sehr unterschiedliche Fragen … Was erreichen? Ehrlich gesagt ist Musikmachen für uns Selbstzweck. Wenn dabei Ruhm, schnelle Autos und die Weltherrschaft rausspringen: Why not. Wen erreichen? Na ja, wen nicht? Natürlich „hilft es“, wenn man einen praktischen und emotionalen Draht zur dunklen Seite der letzten paar Jahrzehnte Rockgeschichte hat, Voraussetzung ist es nicht …

Wie würdet ihr eure Musik beschreiben?
Zulu: Die kurze Antwort: Wie würdest Du sie denn beschreiben? Wir haben sie ja schon gemacht …
Die lange Antwort: Für mich ist alles, was wir als REPTYLE machen, Entdeckungsreise und Krisenbewältigung – im Blick auf mich selbst und mein Leben (wie reden hier von immerhin 16 Jahren), im Blick auf unsere Band und uns als Menschen, das heißt neben Freundschaft auch Exzess und Streit, im Blick auf den Rest der Welt (Politik, Spiritualität), kurzum: auf alles, in aller Unberechenbarkeit. Das ist auch ganz gut so, weil ich unserer Musik vor allem Unberechenbarkeit zugutehalten würde. Wir sind zwar voll Gothic Rock, aber es gibt keine andere Band, deren Gothic Rock auch nur annähernd wie unserer ist.
Nochmal anders: Es geht um schöpferische Ausdauer, und immer wieder überrascht werden.

Was hat Euch bewogen Musik zu machen?
Keule: Da ich schon seit Kindesalter ein leidenschaftlicher Musik-Fan war, haben meine Eltern irgendwann dementsprechend reagiert (Gitarrenkauf und Anmeldung an der Musikschule). Ein paar Jahre später wurde die erste E-Gitarre angeschafft, so dass ich beim VAN HALEN-Hören/Posen endlich die Luftgitarre ersetzen konnte. Der ausdrückliche Wunsch, selbst Musik zu machen, war bei mir definitiv das 1990er-Konzert von NEW MODEL ARMY mit FIELDS OF THE NEPHILIM – ein paar Jahre später gründete ich meine erste Wave/Gothic-Band.
Zulu: Irgendwann kapiert man – oder nicht – dass Musik Magie ist; in meinem Fall mit 13 bis 14 Jahren. Magie ist nach einer Definition „die Wissenschaft und Kunst, Veränderung nach dem wahren Willen herbeizuführen“ – und natürlich unter Ausschluss allgemein nachvollziehbarer technischer (oder chemischer) Mittel. „Veränderung“, das beziehe ich vor allem auf emotionale und intellektuelle Aggregatzustände. Was anderes hat mich im Kern nie interessiert. Diese Wirkung von Musik hat mich bis auf heute nie zu faszinieren aufgehört.

Was macht gute Musik für euch aus?
Slash: Handgemacht muss sie sein, dynamisch sollte sie sein. Also im besten Sinne von 0 auf 100 und wieder zurück springen, anstatt seicht durchzulaufen. Mit rein elektronischer, verkopfter Musik kann ich persönlich nix anfangen.
Keule: Ganz einfach – Musik ist für mich gut, wenn sie mir gefällt, Punkt. Egal, ob atmosphärischer Goth-Rock, Art-Rock-Kunstwerk mit in sich übergehenden Parts oder schlicht ein 3-Minuten-Song von Kim Wilde.

Welche Bands beeinflussen euch? Welche Alben haben euch geprägt oder begeistert?
Zulu: Viel zu viele, um sie aufzuzählen, und ständig kommen neue dazu … Völlig geflasht bin ich immer noch von Wovenhand (die ich erst sehr spät wirklich entdeckt habe). Die Schweden-Metaller Tribulation sind super. Historisch muss ich auf jeden Fall Nick Cave und Celtic Frost nennen.

Welche Musik hört Ihr zu Hause, unterwegs oder beim Sport?
Keule: Quer durch den Garten und keinesfalls auf den „schwarzen Musikbereich“ beschränkt. Derzeit läuft bei mir die neue (fantastische) KILLING JOKE rauf und runter, dazu befinden sich immer noch die Comeback-Alben von FAITH NO MORE, SEIGMEN und NEW ORDER in der Heavy Rotation. Und der Re-Release von PLAY / Red Movies will meinen Plattenspieler einfach nicht verlassen. Beim Sport gucke ich Fussball.

REPTYLE_2015_3Eine Band durchläuft stets Höhen und Tiefen. Was war der absolute Höhepunkt in der Vergangenheit und was der bitterste Tiefpunkt?
Keule: Hmm, der absolute Höhepunkt? Das ist schwer zu sagen, da es (gottseidank) viele Höhepunkte gab. War es der erste offizielle CD-Release 2004 („A high and lonely place“)? Vielleicht auch unser WGT-Auftritt 2008, der fantastisch gelaufen ist. Oder war es doch der Tag, an dem wir im Jahre 2011 die erste eigene 12“-Vinyl („Corruption e.p.“) in den Händen halten durften?
Für mich persönlich liegt der bitterste Tiefpunkt schon lange zurück. 1 Jahr nach Bandgründung haben wir uns nach einem katastrophal verlaufenen Gig vom damaligen Bassisten (und vor allem sehr guten Freund) getrennt. Das hätte damals auch fast die Auflösung von REPTYLE bedeutet, bevor es überhaupt richtig losgegangen wäre.

Was ist für die Zukunft geplant? Welche Ziele habt ihr euch selbst gesteckt? Was steht als nächstes an? Tour? Studio?
Slash: Ziele haben wir keine, da verkrampft man nur. Pläne gibt es natürlich, aber wir lassen uns auch immer gerne von uns selbst überraschen. Als nächstes größeres Projekt steht sicher der neue Tonträger an, für den wir die Mehrzahl der Songs schon geschrieben haben, aber wir werden sicherlich auch jede sich bietende Gelegenheit nutzen, das Material live zu testen. Denn das Live-Feedback ist immer noch das Spontanste und Ehrlichste.

Welche Rolle spielen für euch Live-Auftritte und was empfindet ihr dabei?
Slash: S.o. – live zu spielen ist immer eine besondere Herausforderung, weil man die Chance hat, den Songs noch mal `ne andere Pointe als auf dem Tonträger zu geben. Und natürlich steht ganz klar der Spaß im Vordergrund – andere Städte, Veranstalter und Bands kennenzulernen – dafür macht man das Ganze doch eigentlich. Wer was anderes behauptet, lügt.

Was fällt Euch als Erstes zu folgenden Begriffen ein?
Musik:
Slash: Unverzichtbar.
Kindheit:
Slash: Unbeschwertheit.
Blockade:
Zulu: Die beste Gelegenheit, einen Schritt zurück und zwei nach links zu gehen und sich die Situation aus anderer Perspektive anzuschauen. Leider merkt man das nicht immer rechtzeitig. Bei mir hat es, Gott sei Dank, noch immer so gerade eben hingehauen …
Auftritt: Slash: Top night out!
Heimat: Zulu: Home is where the heart is … 5 Cent ins Phrasenschwein, gerne, dem ist nämlich nichts hinzuzufügen.

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