Interview mit dem Veranstalter vom Melting Sounds Festival

Veröffentlicht: 19. Dezember 2015 von steffischaaf in Interview
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Bild MS Promo VeranstaltungMelting Sounds Festival Vol.II – Ein charmantes Festival im Pott und sein ehrgeiziger und perfektionistischer Veranstalter Oliver.

Wir möchten euch gerne den verantwortlichen Kopf des Melting Sounds Festivals vorstellen und haben ihn für euch mit ein paar Fragen gelöchert.

Independent Sounds: Hallo Oliver, schön dass Du Dir kurz Zeit für uns genommen hast um uns ein paar Fragen zu beantworten.
Oliver: Sehr gerne. Ich freue mich auf das Interview, muss aber gestehen, dass ich in diesem Rahmen noch nie interviewt worden bin und nicht weiß, ob ich eure Vorschusslorbeeren aus der Einleitung auch halten kann. Aber schauen wir mal. Viel schlimmer als ein Liebesbrief zu schreiben, kann es ja nicht sein.

INS: Stell Dich doch bitte unseren Leserinnen und Leser vor.
Oliver: Nun im Grunde bin ich ein ganz normaler quirliger Typ mit einem Hang zur Ästhetik. Der Begriff der Schönheit ist für mich aber undefiniert und kann durch eine „schöne“ Teetasse ebenso wie durch einen Salvadore Dali ausgefüllt werden. Sowohl eine hübsche Frau als euch eine gute Tätowierung sind für mich „schön“. Ich vermute, dass aus dem gleichen Antrieb meine Leidenschaft zur Musik entsteht. Schöne Musik zieht mich einfach magisch an. Egal ob aus Kopfhörern, bei Livekonzerten oder auf der Tanzfläche, ich kann mich nur selten dagegen wehren. Entsprechend häufig findet man mich bei Festivals, Konzerten und auf Tanzflächen. Wobei ich handgemachte Musik der elektronischen Musik vorziehe.

INS: Wie bist Du auf die Idee gekommen in Essen ein Gothic-Festival zu veranstalten?
Oliver: Der Ort war für mich sekundär. Ich wollte schlichtweg nach ungezählten Konzerten, Festivals und Disconächten der Szene etwas Substanzielles zurückgeben. Das klingt jetzt sehr hochtrabend und superelitär, ist es aber gar nicht. Ich meine, nach guten fünfzehn oder sechzehn Jahren in denen ich jährlich mindestens fünf Festivals und dutzende Livekonzerte gesehen habe, konnte ich die ewig gleichen Lineups nicht mehr sehen. Wenn wir mal brutal ehrlich sind, geht es den großen Megafestivals doch gar nicht mehr darum, dass es ihren Gästen oder den Bands gut geht. Tatsächlich buchen die Veranstaltungskonzerne die bekannten Bands bereits Jahre im Voraus um möglichst viele Besucher zu erreichen. Dabei erhalten die Bands ein zeitlich limitiertes Auftrittsverbot um andere Veranstalter davon abzuhalten im gleichen Jahr ein ähnliches Lineup aufzustellen.
Ich verüble es den Veranstaltern aber nicht. Vermutlich würde ich ähnlich agieren, wenn ich Dutzende von Mitarbeitern finanzieren und bei den riesigen Produktionskosten im Wettbewerb bestehen wollte.
Aber Tatsache ist, dass in unserer Subkultur und der damit im Verhältnis geringen Anzahl von bekannten Bands, die immer gleichen Bands auf der Bühne zu sehen sind. In meinen Augen zerfasert damit die Substanz des Gruftietums. Verstärkt wird der Effekt dadurch, dass sich die Szene stark über die Musik definiert. Anstatt mich also während diversen Gesprächen über die Situation auszulassen, wollte ich es einfach ändern. Als meine wunderbare Freundin mich dann eines Tages fragte, was ich mir zu meinem Geburtstag wünsche, war die Idee nach einem unabhängigen Gruftiefestival mit künstlerischen Gesamtprogramm und handgemachter Musik, bei der es den Gästen und den Bands gut geht, geboren.
Einfach war die Umsetzung dann allerdings nicht. Aber durch den persönlichen Einsatz von vielen freiwilligen Helfern konnten wir am 20. März 2015 im Bahnhof Langendreer in Bochum mit Matt Howden alias Sieben, Ascetic:, Aeon Sable und Soror Dolorosa das erste Melting Sounds Festival feiern.
Obwohl die Produktionskosten von gut 6500 Euro bei weitem nicht durch die Eintrittsgelder finanziert wurden, war das Feedback der Gäste und der Bands extrem gut. Es kamen sogar Gäste aus Portugal und Russland angeflogen um unser Selfmadefestival zu besuchen. Da habe ich mich entschlossen, das Konzept weiterhin zu verfolgen. Andere fliegen einmal im Jahr in den Urlaub oder kaufen sich einen 90 Zoll Fernseher. Wir organisieren ein Festival aus der Leidenschaft zur Musik.

INS: Warum gerade Essen? Wurden auch andere Städte in Erwägung gezogen?
Oliver: Einige Helfer kommen aus Essen und Bochum, ich komme aus Düsseldorf. Zudem ist in NRW die Dichte der Veranstaltungsorte sehr hoch. Daher war der Fokus auf das Ruhrgebiet sehr klar. Da wir den künstlerischen Faktor in 2016 fördern wollten, mussten wir uns schweren Herzen vom Bahnhof Langendreer trennen. Dort hätten wir schlichtweg Platzprobleme bekommen. Die Zeche Carl kannte ich bereits von den Nachttanzpartys. Ich finde es bis heute toll mit welcher Detailverliebheit sich dort um die Gäste gekümmert wird. Daher habe ich dort einfach mal angefragt. Direkt beim ersten Treffen hat es dann gefunkt. Das Team aus der Zeche, allen voran Markus und Alexx Bothe haben die Idee sofort aufgenommen. Es war dann sehr schnell klar, dass wir das Melting Sounds Festival und die Nachttanzparty am gleichen Tag durchführen. So können wir der Szene genau die Substanz zurückgeben, von der ich eben sprach.

INS: Was macht diese Veranstaltung so besonders bzw. einzigartig?
Oliver: Hier ist dann wohl die Stelle an der ich überzogene Werbung platzieren sollte, oder?
Nein, im Ernst. Für mich ist es eine Vielzahl von Dingen. Zum einen steht hinter dem Festival kein Unternehmen sondern eine Handvoll junger Menschen, welche bereit sind mit ihrem Engagement und privaten finanziellen Mitteln (!) etwas für die Szene zu tun. Zum anderen fördern wir den künstlerischen Aspekt im „Gruftitum“. Das Melting Sounds Festival soll leidenschaftliche Gitarrenmusik, bildende Kunst und eine ausschweifende Party zugleich beheimaten. Aus diesem Grund gibt es neben fünf internationalen Bands auch noch vier bildende Künstler. Wir haben Roman Kasperski als international bekannten Fetischfotografen dabei. Certa Sculptura wird uns mit ihren fast schon morbiden Skulpturen besuchen und Jan-Erik Mendel alias Gotikatur wird während des Festival gruftige Karikaturen für jedermann herstellen. Besonders stolz bin ich Vinsterwan auf dem Melting Sounds begrüßen zu dürfen. Die junge Dresdnerin malt im wahrsten Sinne des Wortes großartige Bilder um die 3 x 3 m und durfte bereits auf dem WGT ausstellen.
Zudem möchten wir uns nicht von anderen Festivals abkapseln, sondern ein Netzwerk für die unabhängige Indie-Festivallandschaft gestalten. Aus diesem Grund können die Gäste auf Tuchfühlung mit überregionalen und regionalen Festivalveranstalter gehen. Mit dabei sind das Gotham Sounds Festival, Dark Skies over Witten, Owls ‘n‘ Bats Festival und das Gothic Fest. Und zu guter Letzt investieren wir viel Energie darauf, es unseren Gästen, Künstlern, Bands und Kollegen so gemütlich wie möglich zu machen. Daher werden wir z.B. wieder einmal ausreichend Süßigkeiten verteilen. Zudem haben wir noch einige Überraschungen in diese Richtung geplant.

INS: Wie hoch ist der organisatorischen Aufwand wie z.b der Vorlauf?
Oliver: Es ist wie beim Fußball. Nach dem Spiel ist vor dem Spiel. Daher beginnen wir bereits im Frühsommer des Vorjahrs mit der Planung und Organisation. Das schlimmste ist, wenn ein bereits bestätigter Künstler absagen muss, dann wird es hektisch. Allerdings haben wir wohl Glück. Für 2016 haben sich mehr als drei Dutzend Bands angeboten. Ich denke also, dass wir den Gästen in jedem Fall eine handverlesene Auswahl anbieten können.

INS: Wird es in der Zukunft ein Melting Sounds Festival mit noch mehr Bands und zwei Tagen geben?
Oliver: Die Zeche Carl bietet grundsätzlich diese Möglichkeit und Ziele müssen groß sein, um sie bei Schwierigkeiten nicht aus dem Auge zu verlieren, aber im Moment konzentrieren wir uns auf das Debüt in der Zeche Carl. Was in der Zukunft geschehen wird, wird geschehen.

INS: Was sind Deine Erwartungen für das Melting Sounds Festival 2016?
Oliver: Wenn mir die Gäste, Bands und Künstler sagen, dass es ein großartiger Abend war und alle zufrieden nach Hause gehen, bin ich glücklich. Wenn ich ein paar wenige Menschen mit meiner Leidenschaft zur Ästhetik und guter Musik anstecken konnte, bin ich schon überglücklich.

INS: Wir danken Dir, dass Du uns einen kleinen Einblick aus deinem Veranstalter Leben gegeben und uns Frage und Antwort gegeben hast. Wir freuen uns schon sehr auf den 12.03.2016 in der Zeche Carl.
Oliver: Ich habe euch für das Interview und den Lesern für die Geduld zu danken. Hoffentlich sehen wir uns am 12.03.2016 bei den Bands, Künstlern oder Veranstalter.
Bis dahin alles Gute.

Wer noch viel mehr über das tolle und einzigartige Melting Sounds Festival in Essen wissen möchte, hat auf Facebook und auf der Homepage des Veranstalters und natürlich mit uns von Independent Sounds die Möglichkeit sich zu informieren und/oder mit einem der freundlichen Admins in Kontakt zu treten.

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