Interview mit Daniel De Clercq von Unzucht

Veröffentlicht: 4. April 2015 von steffischaaf in Interview
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SONY DSCBald stehen die Jubiläumshows der Jungs von Unzucht an. Im Vorfeld trafen wir uns mit Daniel De Clercq zu einem Plausch in Hameln. Was die Band bis jetzt so erlebt hat und was die Zukunft bringt, erfahrt ihr in unserem Interview:

Independent Sounds: Wie geht es Dir und Deinen Bandkollegen nach der Tour?
Daniel: Ja, uns geht es gut, jeder hatte jetzt die Möglichkeit sich nach den Eisheiligen Nächten und dem ersten Teil der Luzifer-Tour zu erholen.

IS: Wie verlief die Tour denn?
D: Wir sind mehr als zufrieden. Es war unsere zweite Headliner-Tour, auf der wir auch in London und Budapest spielen durften. Und wir haben es geschafft, dass wir in London bald erneut auftreten dürfen. Unterwegs waren wir mit Death Valley High aus San Francisco, die jetzt neben Lord of the Lost mit zu unseren engsten „Blutsbrüdern“ geworden sind. Drei Wochen waren wir mit einem Nightliner unterwegs, das war schon ein tolles Erlebnis, vor allem nachts durch London zu fahren war eines unserer Highlights.

IS: Wie wichtig sind euch Live-Auftritte und was empfindet ihr dabei?
D: Es ist der beste Weg für Musiker alles zusammenzuführen. Das Zusammenspiel der Band ist dabei sehr wichtig, kein Mitglied steht für sich allein und wir versuchen mit dem Publikum eine Fusion zu bilden. Es wird mit unseren Stücken bombardiert und wir bekommen sofort die Resonanz. Wenn diese Fusion klappt und der Funke überspringt und du mit den Leuten Schweiß, Blut und Tränen teilst, dann fühlt sich das an wie eine Gemeinschaft und man steht nicht allein auf der Bühne, sondern mit 300-500 Leuten und die Zeit verrinnt wie im Flug.

IS: Wieviel Auftritte stehen noch an und freut ihr euch auf einen besonders?
D: Wir freuen uns sehr auf das Blackfield-Festival, weil wir da zum ersten Mal spielen, absolutes Highlight für uns ist aber das M´era Luna-Festival. Dort gewannen wir 2010 den Newcomer-Wettbewerb, danach hatten wir Auftritte beim Rock Harz und Masters of Rock in Tschechien. Das war noch alles ein wenig unwirklich für uns. Mittlerweile ist das M´era Luna für uns ein Heimspiel, man trifft viele Freunde und tolle Musiker und vor allem mit Lord of the Lost verbindet uns dieses Festival, da knüpften wir die ersten Kontakte mit den Jungs.

IS: Tauscht ihr euch auch mal mit anderen Bands über die Musik aus?
D: Ja, es kommt schon mal vor, dass wir nach Meinungen fragen und gerade bei Lord of the Lost haben wir sehr viel Vertrauen. Ich würde ihnen ohne Nachzudenken ein neues Unzucht-Album drei bis vier Monate vor dem Release zum Reinhören geben, also in diesem Sinne: Jungs ihr bekommt das nächste vorab!

IS: Spielt ihr lieber in Clubs, Hallen oder auf Festivals?
D: Wir spielen am liebsten da, wo die Leute sich auf uns freuen. Ich persönlich spiele gern in kleinen, „dreckigen“ Rock´n´ Roll Clubs. Die Fans stehen sehr nah vor uns, wir bekommen direkt das Feedback und die Energie der Band lässt sich viel leichter übertragen. Aber es ist genauso geil, auf dem M´era mittags den Leuten zu sagen, sie sollen die Arme hoch nehmen und man steht regelrecht einem Meer gegenüber. Aus den Unterschiedlichkeiten der Locations das Beste rauszuholen und eine Atmosphäre zu schaffen, dass ist das Geheimnis und jede hat seinen Reiz und seinen Charme für uns.

IS: Wie kommt ihr auf der Tour miteinander klar?
D: Im Nightliner gibt es verschiedene Möglichkeiten sich zurückzuziehen, im Schlafbereich herrscht absolute Stille und im Loungebereich bilden sich immer wieder unterschiedliche Gruppen, die den Abend auf unterschiedliche Art und Weise ausklingen lassen. Genauso ist es in den Clubs! Auch tagsüber in neuen Städten hat jeder die Möglichkeit seine Freizeit für sich zu gestalten, Sightseeing usw… Ausweichmöglichkeiten gibt es genug.

IS: Ihr habt jetzt einige Touren erlebt! Was hat sich verändert seitdem?
D: Nix!(grinst!) Nee, die Veränderungen passieren automatisch, umso mehr Auftritte hinter einem liegen, desto mehr festigt sich alles, Probleme werden leichter bewältigt. Du wirst einfach professioneller, das Equipment verbessert sich, man achtet mehr auf Qualität. Man wird sicherer auf der Bühne und das merkt das Publikum natürlich auch. Unsere Crew ist mittlerweile größer als die Band selbst. Wir haben ein super Team um uns, vielen Dank hier mal an dieser Stelle an Alle. Ohne dieses würde ein Unzucht-Auftritt gar nicht mehr funktionieren können.

IS: Euer Album Venus Luzifer ist von Null auf Platz Sechs in den DAC eingestiegen. Wir reagierten die Fans auf das Album? Wie war die Resonanz?
D: „Unendlich“ war der Vorbote, die erste Single. Das Feedback darauf war großartig, gerade weil der Anfang des Stückes anders ist als gewohnte Songs. Es geht richtig derb zur Sache und das war auch Sinn und Zweck zu zeigen, dass wir auch anders können. Wir sind stolz auf den Song und auf das Video und das Plattencover. Album und Cover kamen bei den Fans sehr gut an und gerade die Hardcore-Fans sind die Ersten, die ihr Feedback geben. Auch die Rezensionen waren durchweg sehr gut. Aus unserer Sicht, haben wir bei der Platte noch mehr Gas gegeben und alles richtig gemacht.

IS: Mit dem ersten Album seid ihr zu eurem ersten Label gewechselt No Cut SPV. Was bedeutet das für einen Künstler mit einem Label zusammenzuarbeiten?
D: Ab einem gewissen Punkt musst du als Band mit einem Label zusammenarbeiten um weiter zu kommen. Es ist nicht so, dass man nach der Unterzeichnung eines Plattenvertrages nichts mehr zu tun hat außer Songs und Musik zu schreiben. Es bleibt trotz allem noch sehr viel Organisation. Die Plattenfirma übernimmt die logistischen Sachen: Platten in die Läden bringen, mit dem Verlag GEMA-Rechte klären usw.

IS: Habt ihr denn bei den Texten noch freie Hand, oder gibt es Vorgaben seitens der Plattenfirma?
D: Bei uns ist alles zu 100% Unzucht! Und da wird sich auch nichts ändern!

IS: Welche Musik hört ihr beim Sport, zu Hause und in der Freizeit?
D: Sehr schwere Frage, im Tourbus geht es meistens querbeet, da läuft Katie Perry, dann mal ein 80 er Sample und geht dann über zu Jennifer Rostock oder auch mal Casper. Ich selber bezeichne mich quasi als Metalhead, höre Iron Maiden, Pantera usw.

IS: Eine Band durchläuft Höhen und Tiefen. Was war euer Highlight und euer absoluter Tiefpunkt?
D: Gute Frage, aber ganz schwer zu beantworten. Die einzigen Tiefen, die man eigentlich gar nicht so bezeichnen kann, waren vor dem Plattenvertrag, wir haben sehr viel gestrampelt und gearbeitet und wir wussten ohne Label wird es schwierig Fuß zu fassen. Höhepunkte sind auch schwer zu definieren, weil es sehr viele gab. Auftritte in Clubs und auf Festivals können Highlights sein, gerade wenn kleine Momente diese noch besonders machen. In London wurden extra nicht viele Tickets verkauft, dass die Leute Platz zum Tanzen hatten.

IS: Wie bereitet ihr euch auf Auftritte vor? Gibt es ein Ritual eine Entspannungsrunde oder eine Flasche Whiskey?
D: Es gibt eine Art Ritual, das ich aber hier nicht preisgeben werde. Natürlich kommt irgendwann der Moment der Vorbereitung. Man wirft sich in die Bühnenklamotten, trägt die Schminke auf, stylt den Irokesen. Jeder macht dabei so sein Ding und kurz vor Beginn gibt es einen kleinen Schnaps.

IS: Ist Lampenfieber noch ein Thema?
D: Angespannt sind wir nicht mehr, eher positiv aufgeregt. Über die Jahre wird man natürlich etwas abgeklärter, man ist nicht mehr so hibbelig wie vor den ersten Shows, dennoch sind wir aufgeregt. Das sorgt für Adrenalinschübe und die braucht man für die Bühne.

IS: Wie macht ihr das mit den Proben, da ihr ja alle recht weit voneinander weg wohnt?
D: Wir proben nicht! Wer probt verliert. (lachen in der Runde)

IS: „Kleine geile Nonne“ und „Krieg“ singst Du ja hauptsächlich. Dürfen die Fans da noch mehr erwarten?
D: Ich hab jetzt auf der Venus Luzifer bereits mehr gesungen, aber es muss sich immer die Waage halten. Die Songs müssen auf die Stimmen abgepasst sein. Wir wollen das Facettenreichtum von Unzucht featuren. Daniels Stimme passt einfach nicht zu jeder Passage. „Krieg“ z.B. ist ein Song, der merkwürdig klingen würde, wenn Daniel ihn singt oder anders herum, wenn ich „Meine Liebe“ singen würde. Ich bin primär Gitarrist in der Band und das soll auch so bleiben.

IS: Wer von euch ist auf die Idee mit dem Gothic Internat gekommen? Ihr zeigt da ja sehr viel privates von euch! Habt ihr da keine Probleme damit?
D: Die Idee ist nicht unbedingt auf unseren Mist gewachsen, es gab ja schon TV of the Lost von LOTL und ein Tourtagebuch von Mono Inc. Alex Blaschke hatte Lust ebenfalls ein Tagebuch zu machen und so entstanden die ersten Aufnahmen und unser You-Tube Channel. Er schneidet auch das ganze Material, es ist sein Steckenpferd. Er entscheidet auch, was drin bleibt und was nicht. Man ist sich bewusst, dass die Kamera immer läuft, doch manchmal vergisst man sie, doch wir vertrauen da unserem Blaschke total.
IS: Wir finden es gut, dass ihr Dinge auch hinter den Kulissen aussprecht und nicht alles verschönert. Das macht euch sympathisch, authentisch und greifbar.
D: Es ist auch für uns ein schönes Tagebuch und es ist jetzt schon sehr lustig, wenn wir den ersten Teil ansehen, wer weiß, was in fünf oder zehn Jahren ist.

IS: Gibt es ein Lieblingslied? Oder welches hättet ihr lieber nicht aufgenommen?
D: Ich spiele z.B. „Mit Dir, ohne Dich“ sehr gerne live. Vom neuen Album ist es „Wir sind das Feuer“. Die Leute singen den Chor mit und das macht echt Spaß. Umso mehr Alben man macht, umso schwieriger wird es auch eine perfekte Setliste zu basteln, denn jeder hat so seine Vorlieben und einige kann man auch nicht weglassen, weil die Fans darauf warten.

IS: Sind Songs auf Englisch geplant?
D: Nein, es gibt nur ein Song in Englisch und das ist das Depeche Mode Cover „Mercy in you“. Geplant ist nichts in der Richtung.

Unzucht1IS: Was steht als nächstes an bei euch?
D: Nach unserer Tour entspannen wir erst einmal und bereiten uns auf die Jubiläumshows in Gosslar und Hameln vor.

IS: Können die Fans etwas besonderes erwarten?
D: Wir werden das erste Mal ein langes Set spielen, so ca. zwei Stunden. Was so passieren wird, das werden wir sehen. Wir haben einen super Support noch dabei. Das sind The Fright aus Thüringen.

IS: Was möchtet ihr euren Fans noch mit auf den Weg geben?
D: Wir freuen uns, wenn wir euch alle bei den Jubiläumsshows in Gosslar und Hameln wiedersehen. Kauft Tickets und lasst uns die Clubs zum Beben bringen!

Wir bedanken uns recht herzlich bei Daniel für die unterhaltsamen Stunden und freuen uns auf das Konzert in Hameln.

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